zu Lang Kommunikation
     

 

Ein Platz des Lächelns
veröffentlicht bei
www.mercedes-freizeitmobile.de

 

Reisebericht

Es sollte ein ganz spezielles Wochenende werden - unsere Revivaltour, denn vor fast genau zehn Jahren fuhren wir, mein Mann und ich, zum ersten Mal gemeinsam ins holländische Küstendorf Renesse. Die unzähligen Tage, die wir seit dem an der rauhen, schönen Nordseeküste verbrachten, können wir nicht mehr überblicken, aber eines wissen wir genau: seit vor fünf Jahren unser Sohn zu Welt kam, sind wir nicht mehr zu zweit gereist. Da war es eine willkommene Gelegenheit, als die Großeltern sich erboten, ihren Enkel für ein verlängertes Wochenende zu sich zu nehmen und uns so ein paar geruhsame Tage zu ermöglichen.

Doch wie sollten wir so kurzfristig eine passende Unterkunft finden? Die Nordseeküste im Sommer, und auch noch mit einem Feiertag vor dem Wochenende, das könnte eng werden. Aber was wäre eine Rivivaltour, wenn wir nicht ebenso flexibel reagieren würden wie damals; unsere Pläne waren klar: das Zelt aus dem Keller, den Campingkocher von der Nachbarin - alles andere würde sich finden. Ich sah uns schon: kuschelig im Zelt, den Geruch von Gummi und Plastik in der Nase, leise tuschelnd in der Nacht.

Als ich aber Freitagmorgen unsere Sachen packte, unterbrach mich mein Mann. Ich solle noch warten mit dem Zusammensuchen, sagte er, er habe eine Überraschung, sprach's und fuhr weg.

Vorfreude vermeidet Ärger und in Aussicht auf eine Überraschung, wollte ich nicht gleich misstrauisch werden. Eine Zahnbürste und dergleichen konnten nicht schaden, also begann ich mit dem Kleinkram, gab der Nachbarin den Schlüssel für die Katzenpflege, ließ mir den Campingkocher geben und stand mit ihr auf der Straße, als meine Überraschung einfuhr.

Sie war 3,15 Meter hoch, etwas länger als eine E-Klasse, strahlend weiß und hieß James Cook.

Dass ich sprachlos bin, kommt selten vor, ich hätte aber auch nichts sagen müssen, meine Nachbarin und mein Mann übernahmen das Reden. So erfuhr ich, während ich mich innerlich von Gummigeruch und Flüsterton verabschiedete und die unzähligen Stauräume, Kühlschrank, Herd und sogar den Regenschirm direkt neben dem hinteren Eingang begutachtete, dass mein lieber Gatte seine Überraschung beim Mercedes Freizeitpartner in Frechen gemietet hatte und wir nun bis zum Sonntag unabhängig durch die Lande ziehen könnten.

So viel zu Entdecken gab es in dem geräumigen Reisemobil, dass wir uns selbst viel Zeit mit dem Einräumen und den Nachbarn Zeit zum staunen ließen.

Wenn schon anders als geplant, so schlug ich vor, sollten wir doch auch die Gelegenheit nutzen, und - ganz auf den Spuren des Entdeckers James Cook - eine andere Ecke der Nordseeküste erkunden. So gingen wir auf Entdeckungsreise: Kurz vor Rotterdam entdeckten wir, dass es bis Zandvoort doch noch ein gutes Stück war. Also drehten wir, um Richtung Grevelingen-Meer zu fahren. Wir entdeckten, dass man fast über Renesse fährt, um nach Rockanje zu kommen, das Örtchen, das wir uns statt Zandvoort ausgeguckt hatten. Dort angekommen, entdeckten wir, dass die Rezeptionen der drei zur Auswahl stehenden Campingplätze bereits geschlossen hatten, dass die Gegend überhaupt nicht so attraktiv wirkte, wie erhofft, und dass es bereits Abend war. Als mein Mann auch noch erwähnte, dass wir für die Fahrt länger gebraucht hatten, weil man mit einem Freizeitmobil halt etwas langsamer fährt als mit einem PKW, da gab meine Vorfreude auf. Ich schaute mich in diesem vielgelobten "Wohnzimmer" um, sah den Schirm neben dem Eingang und ließ es mir nicht nehmen zu sagen, dass es jetzt doch zumindest bitte auch regnen solle, wenn wir schon soviel kostbare Urlaubszeit für eine mobile Luxusunterbringung geopfert hatten. Mein Mann ist tolerant, kennt ja auch mein Gemüt, aber als es keine fünf Minuten später schüttete wie aus Eimern, sah er doch säuerlich zu mir rüber. Wer hätte auch gedacht, dass sich da oben in Petrus' Abteilung jemand so für Mercedes Freizeitmobile einsetzen würde.

Ich entschuldigte mich, versöhnte meinen Mann mit frischem Matjes von der Bude und damit, dass ich in Renesse, eines der größten Urlaubsdomizile Hollands, gleich den Campingplatz vorschlug, der noch einen Platz für uns übrig hatte. Aber es regnete.

Es regnete, als wir zur Rezeption liefen, es regnete, als wir in die Parzelle einfuhren, es regnete als wir uns durstig vom Matjes über das Bier hermachten, das im Kühlschrank die richtige Temperatur erreicht hatte. Als wir zum Meer spazierten, um bei untergehender Sonne - immerhin sahen wir rötliche Reflexionen auf dem Wasser - dem Meer Hallo zu sagen, regnete es nicht. Aber doch wieder, als wir uns zum schlafen richteten. Ob es in der Nacht regnete, kann ich nicht sagen, denn ich habe tief und fest und vor allem überraschend gut geschlafen. Aber morgens beim Brötchenholen regnete es auf jeden Fall wieder. Bei geöffneter Schiebetür saßen wir bequem an unserem Tischchen, erinnerten uns schmunzelnd an das Wochenende vor zehn Jahren, an dem es nicht weniger geregnet hatte, auch an die Erkältung, mit der ich danach drei Tage im Bett geblieben war, tranken unseren heißen Kaffee und beobachteten währenddessen die Menschen auf ihren Regenwanderungen.

Da fiel es mir das erste Mal auf: das Lächeln.

Ein Mann kam vorbei, den Regen ignorierend, nur die Brötchentüte unter der Jacke verbergend, und grüßte lächelnd. Eine Frau begleitete ihre Kinder zum angrenzenden Spielplatz. Die Kleinen trugen Gummistiefel und Regenjacken, platschten in die Pfützen - die Mutter lächelte unter ihrem Schirm hervor. Ein Junge kam mit Gipsarm, seinen Papa im Schlepptau, und sagte, dass sie jetzt nicht mehr wegfahren könnten, weil das Auto kaputt sei. Ach nein, sagte der Papa, es sei nur die Batterie, er habe wohl die Heckklappe zu lange aufgelassen. Er lächelte schon, noch bevor wir ihm Starthilfe anboten. Selbst später der Campingplatzangestellte an der Kasse, vor dem wir aus einer großen Tüte über Jahre angesammeltes Kleingeld für ein paar Süßigkeiten ausschütteten, entschuldigend, dass ja demnächst der Euro kommt, er lächelte, während er die Wartenden hinter uns mit einem Blick um Geduld bat.

Wir kamen zu dem Schluss, dass dies alles Regenfetischisten sein mussten, und argwöhnten nur leise, ob das vielleicht ein besonders optimistischer Menschenschlag sei, der sich auf so einem Platz des Lächelns tummelt.

In Zierikzee, der nächstliegenden Stadt, die uns schon immer zum Bummeln eingeladen hat, lächelte jedenfalls niemand, als wir im Schneckentempo durch die 3,20 m hohe Durchfahrt krochen und den ganzen Verkehr aufhielten. Aber da regnete es ja auch nicht.

Der Regen setzte erst wieder ein, als wir am Nachmittag in der Strandbude einkehrten. Wie Gitterstäbe schloss uns der Regen ein, zwang uns in den Genuss einer müßigen Stunde, in der wir all die Menschen beobachteten, die ebenso regenfetischistisch zu sein schienen, wie die Camper auf unserem Platz. Jedenfalls spielten sie unbeirrt Volleyball, bauten Burgen und spazierten am auslaufenden Wasser entlang.

Wir zahlten mit den letzten Münzen aus der Tüte zogen unsere Schuhe aus und machten eine Entdeckung, die der Anthropologe Jammer Cool wahrscheinlich schon 230 Jahre vor uns auf seinen Reisen über die Ozeane gemacht hat:

Menschen, die mit nackten Füßen durch seichtes Meerwasser waten, lassen sich nicht durch ein paar Tropfen beirren - zumindest nicht, solange sie lächeln!