zu Lang Kommunikation
     

 

Leseprobe des Drehbuches

Geliebter Hurensohn

    1. Innen/Connis Zimmer/morgen
    2. Ein Jugendzimmer im Halbdunkeln: nacheinander erkennen wir einen Kleiderschrank mit Pokémonaufklebern, einen mit Klamotten vollgepackten Stuhl, ein Skateboard. An den Wänden hängen Poster - BMX-Biker im Sprung.

      Aus dem Off ist unterdrücktes, rhythmisches Stöhnen zu hören.

      Neben dem Computermonitor auf dem Schreibtisch steht ein Portraitfoto: Vater Wolfgang, Mutter Alexa, der etwa 10-jährige Conni und Laura als Kleinkind.

      Das Stöhnen wird lauter.

    3. Innen/Küche/Morgen
    4. Connis Mutter ALEXA (38) steht in der wohnlich gestalteten Küche am Esstisch und verziert einen Kuchen. Mit angematschten, spitzen Fingern zieht sie ihren weißen Frotteemorgenmantel, dessen Gürtel sich gelockert hat, enger zusammen. Unter ihrem Handtuchturban lugen vereinzelt dunkelblonde Locken hervor.
      Alles um sie herum wirkt sehr ordentlich. Lediglich auf dem Tisch herrscht Chaos: Gummibärchen, Smarties und eine Packung Geburtstagskerzen liegen verstreut. Der Kuchen ist schon übermäßig bunt. In der Mitte prangt die Zahl 15, in geschwungener Schrift steht "Conni" darüber.

    5. Innen/Connis Zimmer/Morgen
    6. Füße ragen unter der Bettdecke hervor. Das Stöhnen klingt nun zügelloser. Schnelle Bewegungen unter der Bettdecke: CONNI (15) masturbiert. Er atmet tief ein, hält die Luft an und lässt sie schließlich mit einem langen Seufzer entweichen.

      Nur Connis wuscheliger, dunkler Schopf ist am Kopfende zu erkennen, bis Conni den Kopf zur Seite fallen lässt. Sein Gesicht ist entspannt, jung, fast mädchenhaft. Die Augen sind geschlossen. Er lächelt.

    7. Innen/Lauras Zimmer/Morgen
    8. Connis Schwester LAURA (7) kniet auf einem Teppich und müht sich ungeschickt mit einem Bogen Geschenkpapier ab. Sie trägt ein pinkfarbenes Nachthemd, die nackten Füße ragen darunter hervor. Hinter ihr steht ein Bügelbrett.

      Im Zimmer herrscht großes Durcheinander. Wäschestücke mischen sich mit Spielzeug jeglicher Art. Als Laura sich nach ihrer Schere streckt, stößt sie an eine Schachtel. Dutzende von bunten Bügelperlen - kleine Plastikperlen, die mittels Steckbrettern und heißem Bügeleisen zu Medaillons verschmolzen werden - kullern über die Holzdielen.

      Laura wischt sie unter das Bett und schneidet dann umständlich ein Stück Geschenkpapier ab, mit dem sie ein Medaillon verpacken möchte. Es ist ein grellbuntes Herz, etwa so groß wie ihre Handfläche, in der Mitte steht die Zahl 15.

    9. Innen/Connis Zimmer/Morgen
    10. Im Zimmer ist es jetzt hell. Conni hat die Augen geöffnet. Er lächelt nicht mehr, blickt ernst.
      Nach einer Weile sieht er zum Radiowecker. Sofort springt er aus dem Bett.

      CONNI

      Scheiße, warum weckt mich keiner!

      Connis Haare stehen wirr in alle Richtungen. Er trägt ein verwaschenes T-Shirt und eine Boxershorts, auf der sich ein dunkler Spermafleck abzeichnet. Als Conni ihn entdeckt, zieht er eine frische Boxershorts aus der Schublade. Gerade in diesem Moment kommen Laura und Alexa rein.
      Laura hält ihr ungeschickt verpacktes Geschenk in der Hand, Alexa - bereits adrett gekleidet und frisiert - trägt den Geburtstagskuchen. 15 Kerzen leuchten darauf. Die beiden singen "Happy Birthday". Conni hält die frische Shorts vor den Fleck und lächelt verlegen. Als die beiden zu Ende gesungen haben, überreicht Alexa den Kuchen.

      ALEXA

      Alle auf einmal.

      LAURA
      (gleichzeitig)

      Alle auf einmal, Conni.

      Conni nimmt den Kuchen mit einer Hand und bläst die Kerzen aus.

      ALEXA

      Herzlichen Glückwunsch, Conni.

      Alexa beugt sich mit ausgebreiteten Armen zu Conni, um ihm einen Kuss auf die Wange zu geben. Doch Conni gibt ihr den Kuchen zurück, weicht ihrer Umarmung aus und grient verlegen.

      CONNI

      Ich muss ganz dringend pinkeln.

      Conni läuft aus dem Zimmer. Im Hintergrund klingelt das Telefon.

      CONNI
      (off)

      Außerdem komme ich zu spät!

      ALEXA

      Na komm, Laura, geh dich auch schon mal anziehen.

      LAURA

      Und mein Geschenk?

      ALEXA

      Später.

    11. Innen/Garderobe/Tag
    12. Die antike Garderobe hebt sich dunkel von der weiß verputzten Wand ab. Nur wenige Jacken hängen an den Haken. In der Mitte der Garderobe befindet sich ein etwas angelaufener Spiegel. Alexa hält ihr Handy am Ohr. Während sie telefoniert, betrachtet sie sich im Spiegel. Sie zupft an ihrer Frisur, wischt sich über die Augenbrauen und kontrolliert die rubinrot geschminkten Lippen.

      ALEXA

      Das ist heute schlecht, wirklich. Kann nicht ... und wenn ...

      Hinter Alexa hetzt Conni zurück in sein Zimmer.

      ALEXA

      Na gut, aber nicht vor acht!
      (zu Laura)
      Geh dich anziehen!

      Alexa notiert etwas auf einem Block, der auf der Ablage liegt, reißt den Zettel ab und steckt ihn umständlich in ihre Handtasche.

      ALEXA

      Ich ... ja ich weiß doch. Zehn nach neun melde ich mich. ... Ist schon okay.

      Alexa klappt ihr Handy zu. Conni stürmt zur Garderobe. Mit Nylonjacke, Turnschuhen und Rucksack über der Schulter ist er fast abfahrbereit. Er sucht die Garderobenhaken ab und durchwühlt eine Schublade.

      CONNI

      Wo ist dieser verdammte Fahrradschlüssel.

      Laura kommt hinzu. Mittlerweile trägt sie pinkfarbene Mädchenunterwäsche und einen einzelnen Kniestrumpf. Sie hält Conni ihr Geschenk entgegen.

      ALEXA

      Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Conni

      CONNI

      Och!

      Conni hockt sich vor Laura auf die Holzdielen und öffnet das Geschenkband. Laura legt den Kopf schief.

      CONNI

      Was da wohl drin ist?

      LAURA

      Habe ich mir selber ausgedacht. Mama muss das Fahr-

      ALEXA
      (stupst Laura von hinten)

      Pst!

      Laura

      Muss das große Geschenk noch abholen.

      ALEXA
      (strahlt)

      Ich hoffe, es wird dir gefallen.

    Conni reißt das Geschenkpapier ab und wirft es auf die Garderobe. Alexa nimmt es gleich an sich.
    An einem langen Lederband hält Conni das Plastikherz hoch.

      CONNI

      He, schön!

      LAURA

      Habe ich ganz alleine gebügelt, ohne mich zu verbrennen. Das soll dir Glück bringen. Bist du jetzt ein Jugendlicher?

      CONNI
      (wuselt Laura den Kopf)

      Ich dachte, das bin ich schon längst. Aber keine Bange, ich bleibe dein Prinz.

      Laura hängt Conni das Herz um den Hals.

      CONNI

      Danke, Laura. Ist toll. Aber jetzt muss ich.

      Conni gibt Laura einen Kuss auf die Wange und steht auf. Auch Alexa bekommt einen flüchtigen Kuss.

      CONNI

      Danke für den Kuchen, Mama. Sorry, dass ich so schnell weg muss.

      Schon ist Conni an der Tür.

      ALEXA

      Conni!

      Alexa lächelt ihm zu und hält den Fahrradschlüssel hoch.

Synopse

Gerne stelle ich Ihnen auf Anfrage weitere Unterlagen zur Verfügung.